Das öffentliche Projekt: Manches zeigt sich erst im Bau

TITELTHEMA AUS DER AUSGABE Juli/August 2017

Berlin war schon immer eine Stadt im Umbruch. Innerhalb kürzester Zeit wuchs die Stadt zu einer bedeutenden Metropole, gebrochen wurde diese Entwicklung durch die Kriegszerstörung. Danach prägte fast dreißig Jahre lang eine Mauer die Stadt. Die Brachen des Potsdamer Platzes standen lange Zeit als Synonym für den Ost-West-Konflikt und die Teilung der Hauptstadt. Ein sensibles Terrain, geografisch und auch historisch. Denn im Dritten Reich sollte genau an dieser Stelle Hitlers Vision von Germania 2000 durch den Architekten Albert Speer umgesetzt werden. Noch vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges hatte man begonnen, die Gründerzeithäuser zu räumen und zu planieren, die alliierten Bomber taten ihr übriges. Zurück blieben Störungen im Baugrund, die noch über siebzig Jahre später immer wieder negative Auswirkungen auf den Zeit- und Finanzplan von Baumaßnahmen haben.

 

Kulturelles Epizentrum

Die wiederaufstrebende Stadt wollte in den Fünfziger Jahren im Westteil einen Kontrapunkt zu den kulturellen Highlights auf der Museumsinsel im Osten setzen und rief so den Wettbewerb für einen Neubau für das Philharmonische Orchester aus. 1960 bis 1963 wurde der Entwurf des Architekten Hans Scharoun umgesetzt. Das war der Ausgangspunkt für das Kulturforum mit der Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe, der Gemäldegalerie, der Staatsbibliothek und weiteren Kulturtempeln in Sichtweite der Berliner Mauer. Der Fall der Mauer veränderte alles: Ein neuer Mittelpunkt entstand, nun lagen plötzlich auch Kulturforum und Philharmonie im Zentrum des neuen Geschehens. Allerdings waren die Philharmonie und deren Zugang mit dem Rücken zum ehemaligen Mauerstreifen gelegen. Hier lag der Künstlereingang und der Zugang für die Andienung von Instrumenten, Ausstattungen und Gastronomie, jedoch war dieser auch durch einen Parkplatz ziemlich abweisend gestaltet. Kein freundlicher Empfang für Besucher, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln über den Potsdamer Platz anreisten oder in den Tiefgaragen rund um das Sony Center ihre Fahrzeuge abgestellt hatten.

Ein Masterplan für das Kulturforum

Das Planungsbüro Valentien + Valentien aus München gewann 1997 den Wettbewerb für die Umgestaltung des Gesamtgeländes zwischen Philharmonie und neuer Nationalgalerie, und auf Basis dieses Konzeptes entwickelte das Land Berlin gemeinsam mit dem Büro und vielen anderen Protagonisten vor Ort den aktuellen Masterplan für das Kulturforum. „Als zweiter Bauabschnitt aus dem Gesamtprojekt, nach dem nördlich gelegenen Gedenkort „T4“ für körperlich und geistig behinderte Opfer des Nationalsozialismus, wurde der östliche Vorplatz der Philharmonie umgesetzt,“ erklärt Christoph Hagenacker von Valentien + Valentien das Bauvorhaben. „Damit sollte der Zugang vom Potsdamer Platz auf den neu geschaffenen östlichen Eingang der Philharmonie, sowie das gesamte Umfeld auf dem ehemaligen Parkplatz aufgewertet werden. Mit dem neuen Zugangsplatz und der Auslichtung der Vegetationsbestände sollen die Architektur wieder besser zur Geltung gebracht und Sichtbeziehungen freigelegt werden.“

Ein neuer freundlicher Eingang, wo vorher nur ein Parkplatz war. (Foto: Marc Vorwerk)

 

Der Entwurf wurde in enger Abstimmung mit dem Bauherren, den Nutzern und allen weiteren Planungsbeteiligten schrittweise vom Masterplan bis zur Werkplanung entwickelt. Dabei gelang es, die prinzipiellen Gestaltungsziele des Entwurfs umzusetzen und gleichermaßen die funktionalen und strukturellen Vorgaben der Nutzer zu erfüllen. Und obwohl zwischen Planung und Bauausführung viele Jahre lagen, konnte die Umsetzung im Prinzip unverändert durchgeführt werden.

Die Wünsche des Bauherrn

• repräsentativer Zugang und Vorplatz zur Philharmonie
• Aufenthaltsqualität
• behutsamer Umgang mit historischer Substanz
• hohe Belastbarkeit des Belages

Das Vorhaben

Der Teilbereich Philharmonie Ost, zwischen dem östlichen Eingang der Philharmonie bis zur Potsdamer Straße gelegen, umfasst eine Fläche von schätzungsweise 7.400 Quadratmetern. Davon befinden sich rund 900 Quadratmeter über der Tiefgarage der Philharmonie. Die Verlagerung des Parkplatzes ermöglichte die Gestaltung einer neuen attraktiven Eingangssituation zu Philharmonie und Kammermusiksaal. Der neue Vorplatz öffnet sich nun auch in Richtung Osten zum Potsdamer Platz.

Ruhige Flächen aus hellen Granitpflasterplatten bilden den Rahmen, der den Besucher direkt zum Haupteingang leitet. In diese Flächen eingelegt, befinden sich Bereiche mit kleinformatigen Belägen und Sitzmöglichkeiten. Die Fläche wird zudem von unterschiedlich hohen, grünen Inseln gebrochen, auf denen die Bestandsbäume stehen. Zur Straße hin erstreckt sich eine Rasenfläche mit einem lockeren Baumhain, teilweise ebenfalls mit Bestandsbäumen. 

 

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